Gemäß den Daten von Token Terminal hat die gesamte Marktkapitalisierung von tokenisierten US-Treasury-Produkten, die auf dem Ethereum-Netzwerk bereitgestellt wurden, Anfang Mai 2026 die Marke von 8 Milliarden US-Dollar überschritten und damit einen neuen Höchststand erreicht. Dieser Wert entspricht einem Wachstum von etwa 100 Prozent innerhalb von sechs Monaten seit November 2025. Bemerkenswert ist, dass dieses Wachstum nicht von einer einzelnen Institution dominiert wird, sondern gemeinsam von sechs Emittenten getragen wird: Der BUIDL-Fonds von BlackRock, ausgegeben über Securitize, führt das Feld an, gefolgt von USDY von Ondo Finance. Auch iBENJI von Franklin Templeton, WTGXX von WisdomTree, JTRSY von Centrifuge und USTB von Superstate tragen signifikante Marktanteile bei.
Im weiteren Marktumfeld hat der Gesamtwert der gesperrten Vermögenswerte (TVL) in kettenübergreifenden tokenisierten Treasuries die Marke von 14 Milliarden US-Dollar überschritten. Ethereum hält mit etwa 8 Milliarden US-Dollar den größten Anteil und liegt damit deutlich vor den rund 3,4 Milliarden US-Dollar auf der BNB Chain. Solana, Stellar und das XRP Ledger beherbergen jeweils weniger als 1 Milliarde US-Dollar an tokenisierten Treasuries.
Im gleichen Zeitraum hat Ondo Finance in Zusammenarbeit mit JPMorgans Blockchain-Plattform Kinexys, Mastercard und Ripple eine wegweisende Pilottransaktion durchgeführt: eine nahezu Echtzeit-Abwicklung und Rücknahme von OUSG über das XRP Ledger, grenzüberschreitend und bankenübergreifend. Die Verarbeitung auf der Asset-Seite im XRP Ledger dauerte weniger als fünf Sekunden. Diese Transaktion hat die Aufmerksamkeit des Marktes für die Infrastruktur von tokenisierten Treasuries weiter erhöht.
Strukturelle Entwicklung: Von Null auf 8 Milliarden US-Dollar
Der Markt für tokenisierte Treasuries ist nicht über Nacht entstanden. Seine Entwicklung lässt sich in drei klar abgegrenzte Phasen unterteilen.
Frühe Phase (2021–2023): Pioniere ebnen den Weg
Im Jahr 2021 brachte Franklin Templeton BENJI auf dem Stellar Netzwerk heraus – den weltweit ersten in den USA registrierten Geldmarktfonds (FOBXX), der eine öffentliche Blockchain als offizielles Registersystem nutzt. Jede Anteilsschein wurde durch einen BENJI-Token repräsentiert und behielt einen Nettoinventarwert von 1,00 US-Dollar. Zu dieser Zeit waren tokenisierte Treasuries noch eine Nischenerscheinung mit wenigen institutionellen Anhängern.
Durchbruchphase (2024): Branchengrößen verändern das Marktbild
Im März 2024 startete BlackRock offiziell den BUIDL-Fonds (BlackRock USD Institutional Digital Liquidity Fund), wobei Securitize als Transfer-Agent fungierte. Der Fonds entwickelte sich rasch zum größten On-Chain-Treasury-Produkt und steigerte das verwaltete Vermögen innerhalb von zwei Jahren von null auf über 2,6 Milliarden US-Dollar. Der Einstieg von BlackRock gilt als bedeutende Bestätigung der On-Chain-Finanzierung durch die traditionelle Vermögensverwaltungsbranche.
Explosionsphase (November 2025–Mai 2026): Markt verdoppelt sich in sechs Monaten
Token Terminal zeigt, dass die Marktgröße für tokenisierte Treasuries auf Ethereum von etwa 4 Milliarden US-Dollar im November 2025 auf 8 Milliarden US-Dollar im Mai 2026 gewachsen ist – ein Anstieg von nahezu 100 Prozent innerhalb von nur sechs Monaten. Diese Wachstumsrate übertraf den Stablecoin-Markt im gleichen Zeitraum deutlich. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 stieg die Marktkapitalisierung tokenisierter Treasuries um rund 2,12 Milliarden US-Dollar, während Stablecoins nur um etwa 1,19 Milliarden US-Dollar zulegten (laut Branchenberichten). Damit bevorzugt On-Chain-Kapital erstmals in absoluten Zahlen renditegenerierende Treasury-Assets gegenüber Stablecoins.
Ondo Finance hat zudem OUSG im Jahr 2025 auf das XRP Ledger ausgeweitet und damit kettenübergreifende Asset-Emission ermöglicht. Am 6. Mai 2026 wurde eine Pilottransaktion mit vier Parteien abgeschlossen, die Asset-Emission mit Bankabwicklung in einem geschlossenen Kreislauf verband. Die Infrastruktur für diesen Sektor nimmt damit rasch Gestalt an.
Vergleichsanalyse der drei führenden Produkte
Auf Basis öffentlich zugänglicher Daten vom 11. Mai 2026 folgt eine multidimensionale Gegenüberstellung von OUSG, BUIDL und BENJI.
Vergleich der jährlichen Rendite
| Produkt | Emittent | Jährliche Rendite | Gebührenstruktur | Methode der Renditeverteilung |
|---|---|---|---|---|
| OUSG | Ondo Finance | 3,45 % (APY) | 0,15 % Verwaltungsgebühr (bis 1. Juli 2026 erlassen), Fondsgebühr gedeckelt auf 0,15 % | Rendite spiegelt sich im Token-Preis wider |
| BUIDL | BlackRock / Securitize | ca. 3,4 % (7-Tage-Jahresrendite) | ca. 0,50 % Verwaltungsgebühr | Monatliche Airdrops neu ausgegebener Tokens in die Wallets der Anleger |
| BENJI | Franklin Templeton | 3,40 % (30-Tage-Jahresrendite); 7-Tage-Rendite ca. 3,03 % (Anfang 2026) / 3,50 % (März 2026) | ca. 0,40 % Verwaltungsgebühr | Tägliche Airdrops neu ausgegebener Tokens in die Wallets der Anleger |
OUSG weist aktuell eine offizielle APY von 3,45 % aus, die Verwaltungsgebühren sind bis zum 1. Juli 2026 erlassen. BUIDL bietet eine 7-Tage-Jahresrendite von etwa 3,4 % und richtet sich an qualifizierte Anleger mit einer Mindestinvestition von 5.000.000 USDC oder Gegenwert. BENJI erzielt eine 30-Tage-Jahresrendite von 3,40 %, mit 7-Tage-Renditen von 3,03 % (Anfang 2026) bis 3,50 % (10. März 2026) und einer Mindestanlage von nur 20 US-Dollar.
Hinsichtlich der Bruttorendite bieten alle drei Produkte nahezu identische Vor-Gebühren-Erträge, da die zugrunde liegenden Assets kurzlaufende US-Treasuries und Repos sind und die Rendite vom Leitzinsumfeld abhängt. Die Unterschiede liegen vor allem in den Gebühren: OUSG ist während der Gebührenbefreiung am investorenfreundlichsten, BUIDL hat die höchsten Gebühren und BENJI liegt dazwischen, gleicht dies aber durch die niedrige Mindestanlage aus.
Vergleich von Größe und Verteilung
| Produkt | Verwaltetes Vermögen (ca.) | Bereitgestellte Chains | Mindestanlage | Anlegerberechtigung |
|---|---|---|---|---|
| OUSG | TVL ca. 675 Millionen US-Dollar | Ethereum, Polygon, Solana, XRPL | 5.000 US-Dollar | Akkreditierte Anleger / qualifizierte Käufer |
| BUIDL | ca. 2,6 Milliarden US-Dollar | Ethereum, Aptos, Solana, Polygon, Arbitrum usw. | 5.000.000 US-Dollar | Qualifizierte Käufer / zugelassene Institutionen |
| BENJI | ca. 650 Millionen US-Dollar (Einzel-Chain); BENJI-Serie gesamt ca. 1,98 Milliarden US-Dollar | Stellar, Ethereum, Polygon, Solana (insgesamt 9 Chains) | 20 US-Dollar | Offen für Privat- und institutionelle Anleger |
BUIDL führt mit etwa 2,6 Milliarden US-Dollar an verwaltetem Vermögen. Die BENJI-Serie kommt auf rund 1,98 Milliarden US-Dollar und ist damit das am längsten laufende Produkt mit einem First-Mover-Vorteil. OUSG hat einen TVL von etwa 675 Millionen US-Dollar und liegt damit auf Platz drei, wächst aber dank institutioneller Settlement-Kanäle besonders dynamisch.
Bemerkenswert: Der Benji-Fonds von Franklin Templeton erzielte im April 2026 ein Wachstum von über 381 % gegenüber dem Vormonat und ist damit der am schnellsten wachsende Emittent von tokenisierten Schuldtiteln.
Unterschiede in der rechtlichen Struktur
Die drei Produkte unterscheiden sich grundlegend in den rechtlichen Ansprüchen, die sie den Anlegern einräumen.
OUSG nutzt eine Limited Partnership-Struktur, wobei die Tokenhalter als Limited Partners im Ondo I LP gelten und Anspruch auf den Nettoinventarwert des Fonds haben. Die zugrunde liegenden Assets umfassen den BUIDL-Fonds von BlackRock, USDC und Bankeinlagen. OUSG ist im Wesentlichen ein „Fonds institutioneller Treasury-Fonds" und bietet akkreditierten Anlegern eine diversifizierte Allokation aus einer Hand.
BUIDL ist ein On-Chain-Institutional-Digital-Liquidity-Fonds mit Securitize als registriertem Transfer-Agent. Der Fonds investiert direkt in kurzlaufende US-Treasuries und Repos und strebt einen stabilen NAV von 1,00 US-Dollar an. Anleger haben direkte rechtliche Ansprüche auf die Fonds-Assets. Die Anlegerbasis ist stark institutionell geprägt, die Mindestanlage von 5.000.000 US-Dollar schließt Privatanleger praktisch aus.
BENJI ist ein in den USA von der SEC registrierter offener Geldmarktfonds (FOBXX), wobei BENJI-Tokens den direkten Besitz von Fondsanteilen repräsentieren. Diese Regulierung sorgt für besondere Transparenz und ist die „traditionellste" rechtliche Struktur unter den drei Produkten. BENJI ist zudem das einzige Produkt, das Peer-to-Peer-Transfers von Anteilen unterstützt und die Rendite täglich per Airdrop neu ausgegebener Tokens verteilt.
On-Chain-Nutzen und DeFi-Integration
Jedes Produkt adressiert unterschiedliche Anwendungsfälle im DeFi-Ökosystem. BUIDL wurde kürzlich in UniswapX integriert und ermöglicht rund um die Uhr Swaps zwischen USDC und BUIDL-Tokens, wodurch tokenisierte Treasuries direkt mit dezentralen Handelsplattformen verbunden werden. BUIDL dient zudem als verzinsliches Sicherheiteninstrument auf Handelsplattformen, wobei Standard Chartered Bank eine konforme Verwahrung bereitstellt – Trader können so Rendite erzielen, während sie ihre Sicherheiten nutzen.
OUSG ist in DeFi-Lending-Protokolle wie Flux Finance eingebunden und erlaubt es, OUSG-Tokens als Kreditsicherheiten zu verwenden, wodurch Liquidität freigesetzt wird, ohne auf die tägliche Rendite zu verzichten. Ondo Global Markets hat außerdem tokenisierte S&P 500 ETFs (SPYon), Nasdaq ETFs (QQQon) und weitere Produkte eingeführt und arbeitet mit Morpho und Gauntlet zusammen, um diese Assets als risikomanagierte Sicherheiten im Ethereum-DeFi zu qualifizieren.
Seit Mai 2025 steht BENJI die Peer-to-Peer-Transferfunktion Privatkunden zur Verfügung, mit kumulierten P2P-Transfers von über 211 Millionen US-Dollar bis zum 31. März 2026. Diese Funktion ermöglicht direkte Transfers zwischen Anlegern ohne zwischengeschaltete Plattformen und bietet ein Referenzmodell für „cash-ähnliche" On-Chain-Asset-Zirkulation.
Marktnarrative und Kontroversen: Drei Geschichten, drei Debatten
Die aktuelle öffentliche Diskussion rund um tokenisierte Treasuries lässt sich in drei Hauptnarrative und drei zentrale Kontroversen gliedern. Die folgenden Aussagen spiegeln die Perspektiven tatsächlicher Marktteilnehmer wider und stellen keine redaktionelle Meinung dar.
Narrativ 1: On-Chain-Treasuries als „Digitales Gold" – sichere Zufluchtsorte
Befürworter argumentieren, dass tokenisierte Treasuries vorhersehbare, auf US-Dollar lautende Renditen und 24/7-Abwicklung bieten – auch am Wochenende –, während traditionelle Treasuries durch US-Bankzeiten und T+1-Abwicklung begrenzt sind. Bei Exploits oder starken Einbrüchen im DeFi-Markt werden On-Chain-Treasuries wegen ihrer risikofreien Basiswerte zum natürlichen Zufluchtsort. BENJIs Zufluss von 30 Millionen US-Dollar während des KelpDAO-Hacks ist ein Beispiel dafür.
Narrativ 2: Tokenisierte Treasuries verdrängen Bankeinlagen
Chainalysis berichtet von einer Renditedifferenz von 200–400 Basispunkten zwischen regionalen Bankeinlagen und tokenisierten Treasuries, was für Unternehmensschatzmeister einen starken Anreiz schafft, überschüssige Mittel von Bankkonten in On-Chain-Treasuries umzuschichten. Diese Migration erfolgt schneller, als traditionelle Bankliquiditätsmodelle verkraften können.
Narrativ 3: Ondo entwickelt sich vom RWA-Protokoll zur institutionellen Settlement-Infrastruktur
Die Pilottransaktion zur grenzüberschreitenden Rücknahme von OUSG am 6. Mai wurde in der Ondo-Community als Neupositionierung interpretiert – vom reinen Emittenten tokenisierter Treasuries hin zu einer quasi-institutionellen Settlement-Schicht. Dies ist eine Marktinterpretation, keine bestätigte Tatsache.
Kontroverse 1: Sind 8 Milliarden US-Dollar TVL echtes Wachstum oder narrativgetriebener Hype?
Kritiker weisen darauf hin, dass 8 Milliarden US-Dollar in tokenisierten Treasuries im Vergleich zum US-Treasury-Markt von 27 Billionen US-Dollar verschwindend gering sind – weniger als 0,03 %. Skeptiker argumentieren, dass das aktuelle Wachstum eher von narrativgetriebener Spekulation als von nachhaltiger Nachfrage getragen wird. Befürworter entgegnen, dass ein absoluter Zuwachs von 4 Milliarden US-Dollar in sechs Monaten ein klarer Beleg für reale Kapitalzuflüsse ist.
Kontroverse 2: Fördern Produkte mit hohen Mindestanlagen wirklich „finanzielle Inklusion"?
BUIDLs Mindestanlage von 5.000.000 US-Dollar und die Anforderungen für akkreditierte Anleger bei OUSG bedeuten, dass On-Chain-Treasuries vor allem vermögende Personen und Institutionen zugutekommen. BENJI ist das einzige Produkt, das mit einer Mindestanlage von 20 US-Dollar auch Privatanlegern offensteht. Kritiker sehen darin einen Widerspruch zum Grundversprechen der „finanziellen Inklusion" im RWA-Narrativ.
Kontroverse 3: Ist die Renditehomogenität ein Zeichen für „Pseudowettbewerb"?
Im gleichen Zinsumfeld bieten alle drei Produkte sehr ähnliche Jahresrenditen – OUSG ca. 3,45 %, BUIDL ca. 3,4 %, BENJI ca. 3,40 % – mit nur wenigen Basispunkten Unterschied. Einige Analysten glauben, dass die aktuellen „On-Chain-Treasury-Kriege" mehr von Markenbildung und Distribution als von echter Produktdifferenzierung geprägt sind.
Branchenwirkung: Von Wettbewerbsdynamik zu systemischen Risiken
Die Entwicklung eines dreifachen Wettbewerbsumfelds
Das Wettbewerbsumfeld für tokenisierte Treasuries nimmt Gestalt an. BUIDL dominiert mit der Marke BlackRock und 2,6 Milliarden US-Dollar AUM in puncto Größe. BENJI deckt mit fünfjähriger Laufzeit und einer Mindestanlage von 20 US-Dollar die breiteste Nutzerbasis ab. OUSG baut durch institutionelle Settlement-Infrastruktur und kettenübergreifende Bereitstellung differenzierte Schutzmechanismen auf. Jedes Produkt setzt andere Schwerpunkte – zugrunde liegende Assets, rechtliche Strukturen, DeFi-Integration und Zielgruppen –, wodurch ein differenzierter Wettbewerb entsteht und kein Nullsummenspiel.
Auf Branchenebene verringert dieses diversifizierte Modell „Asset-Management-Giganten + Krypto-native Plattformen" das Risiko, dass das Scheitern eines einzelnen Projekts den gesamten Markt destabilisiert, und beschleunigt gleichzeitig die Entwicklung technischer Standards und Compliance-Rahmenwerke.
Die verschwimmende Grenze zwischen traditioneller und On-Chain-Finanzwelt
Die Bedeutung tokenisierter Treasuries geht weit über die Einführung einer „neuen Produktkategorie" hinaus. Sie stellen einen Paradigmentest für die Neugestaltung von Emission, Handel und Abwicklung traditioneller Finanzwerte auf Blockchain-Basis dar. BlackRock integriert BUIDL in dezentrale Handelsinfrastrukturen, Franklin Templeton hat BENJI auf neun Blockchains bereitgestellt und Ondo verbindet OUSG mit Interbank-Settlement-Netzwerken. Insgesamt zeigt sich ein Trend: Die Grenze zwischen traditioneller und On-Chain-Finanzwelt löst sich auf, anstatt dass eine die andere ersetzt.
Systemische Risiken: Eine vielschichtige Bewertung
Das rasante Wachstum tokenisierter Treasuries bringt systemische Risiken mit sich, die von US-Regulierungsbehörden bislang nicht umfassend adressiert wurden. Die folgende Risikoanalyse basiert auf nachvollziehbarer Logik.
Strukturelle Veränderungen bei Bank-Run-Dynamiken
Laut der Analyse der US-Notenbank zum Kollaps der Silicon Valley Bank wurde der Bank-Run 2023 durch die Geschwindigkeit von Fedwire- und ACH-Systemen begrenzt. Tokenisierte Assets beseitigen diese „Geschwindigkeitsbremse" – theoretisch können Unternehmensschatzmeister hunderte Millionen US-Dollar von nicht versicherten Bankeinlagen in tokenisierte Treasury-Fonds innerhalb von Minuten und rund um die Uhr verschieben. Damit schrumpft der Basel-III-Liquiditätsdeckungs-Stresshorizont von 30 Tagen auf nahezu Echtzeit.
Risiko regulatorischer Fragmentierung
Tokenisierte Fonds werden von der US-SEC als Wertpapiere reguliert, während die Banken, die Einlagen verlieren, von Fed, OCC und FDIC beaufsichtigt werden. Es existiert kein etabliertes Rahmenwerk für die Bewältigung von schnellen, regulatorisch übergreifenden Bank-Runs. Diese Situation ähnelt strukturell der Vorgeschichte zur Geldmarktkrise 2008 – damals wurde die systemische Wirkung eines einzelnen Fonds, der den „Buck" bricht, erst im Nachhinein vollständig erkannt.
Unsicherheit im Zinsumfeld
Die Attraktivität tokenisierter Treasuries hängt stark vom US-Leitzins ab. Beginnt die Fed einen Zinssenkungszyklus, sinken die Treasury-Renditen, wodurch die aktuellen 3,4–3,5 % Jahresrendite schrumpfen und die Wettbewerbsfähigkeit von On-Chain-Treasuries gegenüber anderen DeFi-Renditequellen abnimmt. Diese makroökonomische Gegenwindlage betrifft alle Emittenten tokenisierter Treasuries.
Marktkonzentrationsrisiko
Derzeit werden etwa 91 % der Marktkapitalisierung tokenisierter Treasuries von den zehn größten Fonds kontrolliert – ein hoher Konzentrationsgrad. Jede operative oder Compliance-Störung bei einem führenden Fonds könnte Kettenreaktionen beim Marktvertrauen auslösen.
Fazit
Ethereum-basierte tokenisierte Treasuries haben die Marke von 8 Milliarden US-Dollar überschritten – ein Zeichen dafür, dass der Sektor von narrativer Validierung zur institutionellen Konkurrenz übergeht. Die drei führenden Produkte – OUSG, BUIDL und BENJI – verfolgen jeweils eigene Strategien hinsichtlich Größe, rechtlicher Struktur, Renditemechanismus und Marktpositionierung, was zu differenziertem Wettbewerb führt.
Es ist zu beachten, dass die heutige hohe Marktkonzentration und Renditeangleichung darauf hindeuten, dass der Wettbewerbsschwerpunkt sich von „wer bietet die höchste Rendite" hin zu „wer baut die umfassendste Infrastruktur" verschiebt. OUSGs institutionelle Settlement-Kanäle, BUIDLs Marken- und Distributionsnetzwerk und BENJIs Reichweite im Retail-Bereich sowie regulatorische Erfolgsbilanz setzen jeweils Standards für den Sektor in unterschiedlichen Dimensionen.
Für Teilnehmer am On-Chain-Kapitalmarkt sollte der Fokus nicht auf wenigen Basispunkten Renditeunterschied liegen, sondern auf der Sicherheit der zugrunde liegenden rechtlichen Strukturen, der Zuverlässigkeit von Rücknahmemechanismen in Stresssituationen und der Anpassungsfähigkeit jedes Protokolls an sich wandelnde regulatorische Rahmenbedingungen. Diese Faktoren entscheiden darüber, wer im nächsten Wachstumsschub von 8 Milliarden US-Dollar die Führung behält – und wer nur temporär vom Zwischengewinn profitiert.




