- Mai 2026: Offizieller Start des Bitwise Hyperliquid ETF (Ticker: BHYP) an der New York Stock Exchange. Dieses Ereignis markiert nicht nur einen historischen Meilenstein für das Hyperliquid-Ökosystem, sondern stellt auch das erste Mal dar, dass ein On-Chain-Perpetual-Protokoll in ein traditionelles ETF-Produkt integriert wurde. Am ersten Handelstag erzielte BHYP ein Handelsvolumen von rund 4,31 Millionen US-Dollar – das höchste unter allen im Jahr 2026 eingeführten Altcoin-ETFs.
Dieses Ereignis hat eine langjährige Debatte im Markt neu entfacht: Wer führt tatsächlich das Segment der dezentralen Perpetuals an? Hyperliquid, dYdX und GMX stehen jeweils für unterschiedliche Produktphilosophien, technische Architekturen und Token-Ökonomien.
Bitwise BHYP ETF-Start und die Neugestaltung des Sektors
Am 15. Mai 2026 listete Bitwise den Hyperliquid ETF (BHYP) an der NYSE, mit einer Sponsorengebühr von 0,34 % und einem Erlass der Managementgebühren für die ersten 500 Millionen US-Dollar an Vermögenswerten im ersten Monat. Dieser physisch hinterlegte ETF hält HYPE-Token direkt und bietet eine Staking-Yield-Funktion – Bitwise wird seine HYPE-Bestände über die eigene On-Chain-Lösungsabteilung staken.
Strukturell kündigte Bitwise zudem an, künftig 10 % der Managementgebühren von BHYP für den Erwerb zusätzlicher HYPE-Token für die eigene Bilanz zu verwenden. Das bedeutet, dass der ETF nicht nur ein passives Anlageprodukt ist, sondern kontinuierlich HYPE ankauft. Insgesamt haben die beiden HYPE-ETFs über 5,6 Millionen US-Dollar an Nettozuflüssen angezogen.
Brancheneinordnung: Diese Produktinnovation schlägt im Wesentlichen eine neue Brücke zwischen traditionellem Finanzwesen und On-Chain-Derivaten. Bisher mussten institutionelle Anleger, die ein Engagement in Hyperliquid suchten, HYPE-Token direkt halten und verwalten – verbunden mit Herausforderungen bei Verwahrung, Compliance und Besteuerung. Die ETF-Struktur beseitigt diese Hürden und bietet eine replizierbare Vorlage für die Finanzialisierung künftiger On-Chain-Derivateprotokolle.
Die Entwicklung von drei Generationen Perp-DEXs
Das Wettbewerbsumfeld für On-Chain-Perpetual-Börsen hat drei Entwicklungsschübe durchlaufen. Die folgende Zeitleiste zeigt die wichtigsten Meilensteine der einzelnen Protokolle:
GMX: Pionier des GLP-Modells. GMX startete 2021 auf Arbitrum und führte das GLP-Liquiditätspool-Modell ein: Liquiditätsanbieter hinterlegen einen Korb von Assets in einem Pool, der als Gegenpartei für Trader fungiert. Dieses Design adressierte die anfängliche Fragmentierung der On-Chain-Derivate-Liquidität. Bis März 2026 lag das kumulierte Notional-Handelsvolumen von GMX bei über 36,3 Milliarden US-Dollar. Im April 2026 führte GMX rund um die Uhr Gold- und Silber-Perpetual-Märkte auf Arbitrum ein, mit einem Handelsvolumen von über 10 Millionen US-Dollar am ersten Tag.
dYdX: On-Chain-Migration des Orderbuch-Modells. dYdX startete 2021 mit StarkWare’s L2-Lösung und migrierte Ende 2023 auf eine eigenständige Chain auf Basis des Cosmos SDK – dYdX V4 – mit dem Ziel höherer Durchsatzraten und geringerer Kosten. Bis April 2026 erreichte das gesamte Handelsvolumen von dYdX 1,57 Billionen US-Dollar, rund 65 Millionen US-Dollar an Protokollgebühren wurden an Staker ausgeschüttet, mit 194 aktiven Märkten und etwa 98.000 DYDX-Tokenhaltern.
Hyperliquid: Performance-Durchbruch mit eigener L1. Hyperliquid ging 2023 live und nutzt eine eigens entwickelte, leistungsstarke Layer-1-Blockchain zur Unterstützung einer vollständig On-Chain betriebenen Orderbuch-Matching-Engine. Die technische Architektur adressiert gezielt die Schwachstellen hoher Latenz und begrenzten Durchsatzes im On-Chain-Derivatehandel. Innerhalb von weniger als drei Jahren erreichte das Protokoll 2025 ein jährliches Handelsvolumen von 2,9 Billionen US-Dollar – ein Plus von über 400 % gegenüber dem Vorjahr. Im Mai 2026 führt Hyperliquid weiterhin alle DEXs beim wöchentlichen Perpetual-Handelsvolumen an.
Mehrdimensionale Analyse zeigt das wahre Marktbild
Basierend auf öffentlichen On-Chain-Daten und Gate-Marktdaten ergibt sich folgender objektiver Vergleich der drei Protokolle:
Handelsvolumen und Marktanteil
Hyperliquid hat sich im Bereich On-Chain-Perpetuals einen deutlichen Größenvorteil erarbeitet. Am 11. Mai 2026 lag das 30-Tage-Handelsvolumen bei Perpetuals bei rund 172,631 Milliarden US-Dollar und damit an der Spitze aller von DefiLlama erfassten Perp-DEXs. Seit Jahresbeginn 2026 überschreitet Hyperliquid’s Anteil am gesamten Perpetual-Handelsvolumen marktweit 6 %. Im DEX-Perpetual-Segment liegt der Marktanteil bei etwa 70 %, mit rund 69 % der täglich aktiven Trader.
dYdX hält 2026 weiterhin eine beachtliche Größenordnung, mit einem 30-Tage-Perpetual-Handelsvolumen von etwa 4,184 Milliarden US-Dollar. Das kumulierte Handelsvolumen von 1,57 Billionen US-Dollar wird im Sektor nur noch von zentralisierten Börsen übertroffen, das Wachstum hat sich zuletzt jedoch verlangsamt.
GMX bleibt ein führender Akteur im Arbitrum-Ökosystem. Das historische kumulierte Handelsvolumen liegt bei über 36,3 Milliarden US-Dollar, der TVL beträgt über 59 Millionen US-Dollar auf Avalanche und über 389 Millionen US-Dollar auf Arbitrum.
TVL und Protokollumsätze
Hyperliquid weist einen Total Value Locked (TVL) von rund 4,58 Milliarden US-Dollar auf, mit einer annualisierten Umsatzrate von fast 786 Millionen US-Dollar. Die Gebühren aus Perpetual-Kontrakten sind die Hauptquelle der Protokolleinnahmen; allein im Januar 2026 wurden etwa 63,86 Millionen US-Dollar an Perpetual-Gebühren generiert. Die annualisierten Umsätze werden auf 800 Millionen bis 1 Milliarde US-Dollar geschätzt.
dYdX V4 verfügt aktuell über einen TVL von etwa 99,64 Millionen US-Dollar und annualisierte Gebühren von rund 3,5 Millionen US-Dollar. Sämtliche Protokollgebühren werden an DYDX-Staker ausgeschüttet.
GMX generierte in den vergangenen 30 Tagen etwa 5,9 Millionen US-Dollar an Protokollgebühren. Liquiditätsanbieter partizipieren an Handels-, Finanzierungs- und Liquidationsgebühren. Diese Zahlen sind Schätzwerte auf Basis historischer Daten und keine exakten On-Chain-verifizierten Werte.
Vergleich der Token-Fundamentaldaten
Die folgenden Daten, entnommen von den Marktseiten von Gate, spiegeln den Stand vom 20. Mai 2026 wider. Hinweis: Es handelt sich um eine objektive Darstellung von Marktdaten und keine Preisempfehlung.
| Token | Aktueller Preis (USD) | Marktkapitalisierung (USD) | 24h Handelsvolumen (USD) | 7d-Veränderung | 90d-Veränderung | 1y-Veränderung | Rang |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| HYPE | 47,629 | ≈ 1.135,4 Mio. | ≈ 539.100 | +22,80 % | +64,35 % | +79,69 % | 12. |
| DYDX | 0,14705 | ≈ 123 Mio. | ≈ 1.272.600 | -2,54 % | +49,13 % | -77,72 % | 266. |
| GMX | 6,503 | ≈ 67,6261 Mio. | ≈ 590,14 | -8,08 % | -1,98 % | -57,85 % | 378. |
Die strukturellen Unterschiede sind klar: HYPE ist in die Top-15-Krypto-Assets nach Marktkapitalisierung aufgestiegen und verzeichnete im vergangenen Jahr einen Zuwachs von fast 80 %, während DYDX und GMX im gleichen Zeitraum deutliche Rückgänge hinnehmen mussten. DYDX konnte in den letzten 90 Tagen um rund 49 % zulegen, doch diese Gewinne spiegeln sich bislang nicht in einer verbesserten Marktkapitalisierung wider. Das 24h-Handelsvolumen von GMX ist äußerst gering, was auf eine schwache Liquidität und Handelsaktivität hindeutet.
Diese Divergenz spiegelt sich auch im Handelsvolumen wider – das durchschnittliche Tagesvolumen von Hyperliquid ist ein Vielfaches dessen von dYdX und GMX, was sich klar in den Token-Fundamentaldaten niederschlägt. Das Segment ist längst kein Dreikampf mehr, sondern ein Markt mit einem dominanten und zwei deutlich schwächeren Akteuren.
Marktstimmung im Fokus: Die Kontroverse um die Sektorführerschaft
Die dominante Marktstellung von Hyperliquid hat zahlreiche Zweifel und Diskussionen ausgelöst. Hier die zentralen Standpunkte und Kontroversen im aktuellen Marktumfeld:
Standpunkt 1: Hyperliquid hat sich als Marktführer im On-Chain-Perpetual-Segment etabliert. Befürworter verweisen auf den wachsenden Marktanteil von etwa 69 % der täglich aktiven Trader im DEX-Perpetual-Sektor. Die eigens entwickelte L1 bietet eine Performance, die sich zentralisierten Börsen annähert; TVL und Handelsvolumen übertreffen die Konkurrenz deutlich. Im März 2026 setzte Arthur Hayes öffentlich ein Kursziel von 150 US-Dollar für HYPE und argumentierte, dass Hyperliquid bei einer annualisierten Umsatzrendite von rund 1 Milliarde US-Dollar eine Neubewertung erfahren werde.
Standpunkt 2: Die Konzentration auf wenige Großanleger birgt strukturelle Risiken. Daten zeigen, dass die 100 größten Adressen auf Hyperliquid etwa 81,3 % des Handelsvolumens kontrollieren – eine hohe Konzentration. Das bedeutet, dass einige wenige große Trader die Marktliquidität zu bestimmten Zeiten überproportional beeinflussen können, was das Ausführungsrisiko für normale Trader erhöht. Im Januar 2026 verkaufte ein Großhalter nach dem Unstaking rund 665.000 HYPE und erzielte einen Gewinn von etwa 7,04 Millionen US-Dollar. Solche Vorgänge sind auf Protokollebene normales Marktverhalten, haben jedoch in der Community Diskussionen über die Liquiditätsverteilung ausgelöst.
Standpunkt 3: Sinkende Staking-Renditen mindern die Attraktivität des Tokens. Die annualisierte Staking-Rendite von Hyperliquid ist auf etwa 2,25 % gefallen, aktuell sind rund 45,33 % der gesamten HYPE-Supply gestakt. Diese Rendite liegt deutlich unter den Anfangstagen und verringert die Attraktivität für renditeorientierte DeFi-Teilnehmer. Allerdings spiegeln niedrigere Renditen auch den gestiegenen Wettbewerb wider – Protokolle mit hoher Inflation oder starken Anreizen erleben typischerweise sinkende Staking-Renditen.
Standpunkt 4: dYdX und GMX sind noch nicht aus dem Rennen. dYdX führt nach wie vor beim kumulierten Handelsvolumen und verfügt über einen Vorsprung bei Markenbekanntheit und Compliance. GMX ist ein Vorreiter bei echten On-Chain-Umsatzmodellen und hebt sich durch die Expansion in Rohstoff-Perpetuals strategisch ab. Beide Protokolle bleiben in bestimmten Szenarien wettbewerbsfähig.
Branchenausblick: Die weitreichenden Effekte der ETF-Isierung von On-Chain-Derivaten
Die Einführung des Bitwise Hyperliquid ETF hat Auswirkungen, die weit über kurzfristige Kursbewegungen eines einzelnen Tokens hinausgehen.
Aus institutioneller Sicht ist dies das erste Mal, dass ein On-Chain-Perpetual-Protokoll als ETF an einer US-börsennotierten Wertpapierbörse gelistet wird. Bisher konzentrierten sich Krypto-ETFs vor allem auf Bitcoin, Ethereum und andere Layer-1-Assets. Der Eintritt von On-Chain-Derivate-Token in den ETF-Markt signalisiert, dass das traditionelle Finanzwesen die Definition von Krypto-Assetklassen erweitert.
Im Hinblick auf das Wettbewerbsumfeld könnten ETFs die „Winner-takes-most"-Dynamik im On-Chain-Perpetual-Segment beschleunigen. HYPE ist aktuell der einzige Perp-DEX-Token mit einem NYSE-gelisteten ETF und verschafft Hyperliquid damit einen strukturellen Vorteil als Kapitalzuflusskanal, der schwer von anderen Protokollen zu replizieren ist. Das Bitwise-Modell, einen Teil der Managementgebühr kontinuierlich in HYPE zu reinvestieren, verstärkt diesen asymmetrischen Vorteil zusätzlich.
Aus tokenökonomischer Sicht führen ETF-Nachfrage und Staking-Lock-up zu einer doppelten Verknappung. Rund 45,33 % der HYPE-Supply sind gestakt, ETF-Bestände entziehen dem Markt weiteres Umlaufvolumen. Allerdings laufen die täglichen Token-Emissionen von Hyperliquid weiter; Anfang Mai 2026 wurde das Unlocking von rund 9,92 Millionen HYPE (damals etwa 376 Millionen US-Dollar wert) problemlos absorbiert, was auf eine wachsende Marktaufnahmefähigkeit für neues Angebot hindeutet.
Produktseitig beschleunigt sich die Konvergenz von traditionellem Finanzwesen und On-Chain-Primitives. Im Februar 2026 brachte CoinShares das Hyperliquid Staking ETP (Ticker: LIQD) an Deutschlands Xetra, mit 0 % Managementgebühr und 0,5 % annualisierter Staking-Rendite. Auch GMX startete im April 2026 einen 24/7 Commodity-Perpetual-Markt. All diese Innovationen zeigen, dass sich die Grenzen von On-Chain-Derivaten als Assetklasse stetig erweitern.
Fazit
Das On-Chain-Perpetual-Segment entwickelt sich von einem multipolaren Wettbewerbsumfeld hin zu einer Dominanz eines einzelnen Marktführers. Hyperliquid hat sich mit seiner leistungsstarken, eigens entwickelten L1 als technischer Grundlage und ETFs als Brücke zur traditionellen Finanzwelt deutliche Vorteile gegenüber dYdX und GMX in puncto Handelsvolumen, TVL und Token-Fundamentaldaten verschafft. Auch wenn der Marktanteil von etwa 6 % am gesamten Perpetuals-Markt noch weit von einem Monopol entfernt ist, dominiert Hyperliquid das DEX-Perpetual-Segment – das 30-Tage-Handelsvolumen von rund 172,631 Milliarden US-Dollar entspricht etwa 70 % des DEX-Perp-Marktes.
Dennoch ist Marktführerschaft niemals in Stein gemeißelt. Das akkumulierte Handelsvolumen und die Compliance-Reife von dYdX bleiben wertvolle Assets, während das Real-Revenue-Modell und die Rohstoff-Innovation von GMX differenzierende Strategien darstellen. Der Markt für On-Chain-Derivate steckt noch in den Kinderschuhen – das DEX-Perpetual-Segment hat gerade erst 10 % des gesamten Perpetual-Handelsvolumens überschritten, das heutige Wettbewerbsbild ist somit nur der Auftakt eines langen Rennens.
Für Leser, die diesen Sektor verfolgen, empfiehlt es sich, neben kurzfristigen Kursbewegungen vor allem die Trends beim Handelsvolumen, der Token-Supply-Dynamik und den ETF-Kapitalströmen aller drei Protokolle im Auge zu behalten. In diesem strukturell geprägten Sektor liegen die spannendsten Erkenntnisse oft in der Diskrepanz zwischen Protokollfundamentaldaten und Marktnarrativen.




